Ich bin keine Feministin, aber…

Feminismus. Wenn ich über diesen Begriff nachdenke dann schießen mir direkt Bilder in den Kopf. Bilder von Haaren. Achselhaaren. Schamhaaren. Haare wie in einem siebziger Jahre Porno – überall Haare.

Feminismus. Seit Trumps „grab ‚em by the pussy“ wieder in aller Munde. Mir sind zu diesem Thema in letzter Zeit immer mehr Gedanken durch den Kopf geflogen.

Feminismus, Sexismus, Leben als Frau. Für mich nie ein großes Thema gewesen, denn Alles in Allem doch ein Ding aus den Siebzigern, oder? Hell, no. Das Thema beschäftigt mich als, zurzeit 23-jährige Frau, im Jahre 2017. Warum? „Grab ‚em by the pussy.“  Der erste amerikanische Wahlkampf den ich wirklich bewusst mitbekommen habe. Und dann lässt ein Kandidat so etwas ab? „Grab ‚em by the pussy.“ Mit offenem Mund saß ich vorm Fernseher, dachte ich träume, schau ich gerade Nachrichten, oder bin ich doch bei extra3 gelandet? Nein, nicht mal Satirenachrichten würden so etwas im Spaß sagen. Meine Hände ballen sich zu Fäusten. Ich bin gekrängt in meiner Ehre als Frau. Meine Augen werden feucht. Wut bahnt sich den Weg aus der Bauchgegend meinen Hals hinauf, am liebsten würde ich diesen Mann… dieses Wesen anschreien. Die einzige Genugtuung – das wird ihm die Wahl vermiesen – so etwas wählt doch kein Mensch. Falsch gedacht.

Locker talk. Das wäre ja nur so gesagt worden. Gar nicht im Ernst. So reden Männer nun mal unter sich. Wirklich? Das ist die Ausrede? Da wird mir als Frau dann suggeriert „Ja, hey, Männer reden, wenn sie unter sich sind, nun einmal als wären Frauen Objekte, mit denen sie machen können was die Männer nun einmal machen wollen. Insbesondere gilt das für „Stars“, denn genau das ist ja was alle Frauen wollen, dann kann man das ja einfach tun!“ Sorry Mr. President, aber nicht einmal Ryan Reynolds dürfte mir einfach so zwischen die Beine packen, ohne unangenehme Konsequenzen spüren zu müssen.

Das schlimme ist: Seit dieses Thema mir zum ersten Mal in den Sinn gekommen ist, begleitet es mich in meinem Alltag und mir fallen Dinge auf. Zum Beispiel der ca. 18-jährige der in der U-Bahn ein paar Sitze von mir entfernt sitzt und sich über seine „Alte“ beschwert. Die würde ja voll nerven, wenn er „gamen“ würde, anstatt ihm einfach mal „’ne Pulle Bier“ zu bringen. Ich hoffe dieser Kerl ist ein Extremfall. Wenn ich einen Freund hätte, der so über mich reden würde, dann wäre ich kurz darauf Single. Wobei – warum rege ich mich auf? Is‘ ja nur Lockertalk!

Wir Frauen müssen uns ja auch gar nicht so anstellen. Wir haben oft doch auch einfach selber Schuld. Wenn wir nun einmal im Sommer, mit einer kurzen Hose bekleidet, durch die Straße gehen, dann ist es doch voll okay, wenn man sich mit dem Gesicht auf vaginal Höhe begibt und Cunnilingus andeutet. (Leider keine erfundene Story.) Da hat man dann ja selber Schuld. Eine Frau die zu viel Bein zeigt ist eine Hoe und möchte von hässlichen alten Säcken begattet werden. Ich verstehe eure Massage. Ist angekommen. Ich darf mich nicht kleide, wie ich will, könnte ja falsche Absichten suggerieren.

Aber hey, wir Frauen sollten uns nicht so anstellen.

Denn es ist selbstverständlich, dass wenn eine Frau in einen Club geht, sie dies nur tut um potenzielle Sexpartner ausfindig zu machen. Deswegen ist es auch voll in Ordnung, wenn man(n) ihr dann einfach mal an den Hintern grabscht um die Ware zu begutachten. Ein nett gemeintes „Hey, lächel mal, sonst gibt es keinen Drink“ ist auch total beliebt bei uns, denn wir prostituieren unsere Gesichtsmuskeln gerne, damit der große, starke Mann mir einen Drink ausgibt. (Ironie aus)

Welche Erziehung muss dieser Mensch „genossen“ haben, wenn er denkt, dass das bei einer Frau ankommt? Welche Dreistigkeit nehmen sich einige heraus, wenn sie denken unsere Körper wären nur zur Allgemeinbespaßung gemacht? Ich bin keine Litfaßsäule, ich bin eine Frau. Wenn ich ohne männliche Begleitung feiern gehe dann fühle ich mich teilweise wie ein Rehkitz das alleine auf einer Autobahn steht und die Scheinwerfer näherkommen sieht.

Gestern war der internationale Frauentag. Ein Tag für uns Damen. Das erste was ich dazu gesehen habe war dieses Foto auf Facebook:

Gefunden auf: https://www.facebook.com/graphittiblog/

Eigentlich traurig, dass einen Tag geben muss der daran erinnert wofür gekämpft werden muss (wurde). Traurig, dass überhaupt noch gekämpft werden muss. Jaja meckern auf hohem Niveau, denn in Deutschland geht es uns doch ziemlich gut. Blablabla. Ihr dürft Wählen. Blablabla. Ihr dürft arbeiten. Blablabla. Ihr dürft mit euren Körpern (so ziemlich) anstellen was ihr wollt. Blablabla.

Natürlich kann man sich über den Status Quo freuen, man kann aber auch den guten Trend nutzen um ihn weiter zu führen und noch mehr Gleichheit zu erreichen. Und es ist unsere verdammte Pflicht diese Privilegien auch in andere Länder weiter zu tragen in denen es noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen Privilegien haben. Denn auch sie sind Frauen und das ist nichts Schlechtes. Das ist sogar was Wunderbares – wir sollten uns öfter die Zeit nehmen und uns klar machen: „Verdammt. Wir sind schon geil. Verdammt. Wir sind es wert. Denn wir sind – verdammt nochmal – Frauen!“

Gefunden auf: http://9gag.com/gag/anb4YD0/my-favorite-scene-from-deadpool-for-international-women-s-day

Das wirklich beste Beispiel dafür wie falsch verstanden Feminismus heutzutage ist zeigt der Skandal um Emma Watsons Boobies. Ja Boobies. Emma Watson hat ihre Brüste gezeigt! Also… ein bisschen davon… also underboobs… also – wenn wir ehrlich sind – eigentlich nicht viel. Die Geschichte zusammengefasst findet ihr in diesem Video:

Echt jetzt? Wenn Ryan Gosling oben ohne durch New York City laufen würde, um einen Film zu promoten, was würde dann passieren? Genau er bekäme Aufmerksamkeit, Leute würden ihn für seinen gut definierten Oberkörper loben und die meisten würden einfach nur sabbern, oder neidisch sein. Sobald aber eine Frau (die wiederholt sagt, dass Frauen gleiche Rechte haben sollten) schöne Fotos – mit relativ viel nackter Haut und der Andeutung ihrer Brüste – machen lässt, um ihren Film zu promoten, dann brennt das Internet? Sie würde den Feminismus damit verraten? Feminismus heißt also meinen Körper zu verstecken und diesen nicht zu zeigen, nur weil andere mein weibliches Äußeres sexualisieren? Danke Internet. Ich hab‘ es verstanden.

 

Solche Sachen (und sicher noch viele, viele mehr) zeigen mir wiederholt wie wichtig Feminismus ist. Es zeigt mir, wie wichtig es für uns ist ihn aus den Schubladen zu holen und abzustauben. Ihn neu anzumalen und ihn hinaus zu tragen in die Welt. Ihn wie eine Flagge im Wind wehen zu lassen und zu sagen: „Hey ihr! Schaut ihn euch an – den Feminismus – seht wie schön er ist, seht wie wichtig er ist!“ Er ist neuer, er ist moderner. Er ist für mich und meine Schwestern da draußen. Er sollte in jederman(n)s Herzen mit Widerhaken verankert sein. Überall.

 

Wie geht es euch Frauen da draußen? Feminismus – Schnee von gestern? Oder ein wichtiger Evergreen für die Gesellschaft?

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