Man will immer das, was man nicht haben kann.

Ein Satz den uns jede zweite Liebeskomödie aus Hollywood lehrt. Leider bestätigte mir das Leben immer wieder seine Wahrheit:
Erst als ich mein Elternhaus verließ lernte ich zu schätzen was Familie einem gibt. Erst nachdem ich die Schule – mit nicht gerade ansehnlichen Abschluss – verließ bemerkte ich wie wichtig Bildung ist und welche Türen sie öffnen, oder auch verschließen kann. Erst seit ich meine Katzen nicht mehr täglich sehe misse ich ihre Aufdringlichkeit und Kuschelsucht. Und erst als meine Oma starb wusste ich wirklich wie lieb ich sie habe.

Mein halbes Leben wollte ich weg aus dem Norden. Was Anderes sehen. Anders leben. Alles hinter mir lassen. Neu anfangen.
„Der Norden“ das stand für mich für ein Gefängnis, aus dem ich nicht ausbrechen konnte. Ein langweiliges Stück Erde – umzingelt von Wasser und Fischbrötchen – Gott, ich hasse Fischgeruch. Dazu Menschen, die ich nicht mehr ertragen wollte und konnte. 2015 – 10 Jahre nachdem ich nach Büdelsdorf kam – hatte ich dann die Möglichkeit auszubrechen aus meinem Gefängnis, ich zog nach Köln. Byebye grauer Norden, hallo goldener Westen.

Was hat das mit der Überschrift zu tun?
Nun ja. Ich hatte gerade mal wieder Fronturlaub. Wie schön der Norden ist wusste ich nie zu schätzen. Erst jetzt, wo ich in einer S-Bahn zwischen Düsseldorf und Köln sitze – umzingelt von Hektik und Broiler-Ständen – Gott, ich hasse diesen Geruch. Dazu Menschen, deren Art ich kaum ertragen kann und will – vermisse ich das Meer, die Ruhe, die stetige Brise, die mir durchs Haar weht und den leichten, permanenten Geschmack nach Salz auf meinen Lippen.

Vielleicht liegt es am Vermissen. Vielleicht musste ich erst etwas Anderes sehen, um das alt gekannte mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht mussten Versprechen, die ich mir gemacht habe („Dort wird alles besser.“, „neue Stadt neues Glück.“, „blablabla.“) uneingehalten bleiben, damit ich die Wut auf das Vergangene verlieren konnte. Vielleicht hat das große Universum den goldenen Westen als Kokon für mich vorgesehen, gespickt mit Rückschlägen und neuen Erkenntnissen, damit ich irgendwann – neu entfaltet – in den Norden zurückkehren kann. Dabei heißt es ja eigentlich: „Einmal unter der Elbe – immer unter der Elbe.“ Watt weiß ich. Aber die Gedanken an Rückkehr kann ich langsam nicht mehr ignorieren. Wer weiß wo das Leben mich hinschickt.

Ein paar Eindrücke von meinen Ausflügen habe ich euch mitgebracht:

Eindrücke von einem nebeligen Tag in Sankt Peter Ording. Ein Schild am Strand warnte: „Bei Nebel in Sichtweite der Hütten bleiben“ – guter Tipp, anderenfalls findet man nie mehr zurück auf das Festland. Auf der Rückfahrt schrien die Windkrafträder am Eidersperwerk danach fotografiert zu werden.

 Eine Radtour, die ist schön. Als das Wetter es zuließ habe ich mir den Drahtesel meiner Mutter geschnappt und bin gen Süden gefahren. Im Fockbecker Wald ist gerade die beste Zeit um Frösche zu sehen beim… na ihr wisst schon… es ist Frühling! Nach 31 Kilometern entstanden u. a. diese Bilder:

Ein anderer sonniger Tag ein paar Kilometer Fahrtstrecke weniger (ca. 20 km). Trieb es mich zum Heidberg. Früher haben meine Mutter und ich dort Beeren gesammelt. etwas erschreckt habe ich mich als ich gesehen habe was dort alles abgeholzt wurde. Ein paar Meter weiter gab es zum Glück noch etwas unberührte Schönheit.

Nordisch by Nature!

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