Sei keine Seegurke

Morgens halb 10 in Deutschland. Ich freue mich, dass die Rolltreppe mich aus der U-Bahn-Haltestelle zur oberirdischen Bushaltestelle hinaufbefördert und mir damit erspart wird Kalorien zu verbrennen. Aus meinen Kopfhörern dröhnt gute Musik ich versuche krampfhaft mich wach zu halten während ich auf den Bus warte der mich zur Arbeit kutschieren soll. Wie immer halt – nope nicht wie immer.

In meinem Augenwinkel sehe ich eine lila-schwarze Silhouette hin und her wanken und nach links wegbrechen – boom – plötzlich bin ich hellwach, reiße mir die Kopfhörer aus den Gehörgängen, stecke sie gemeinsam mit dem Handy in die Jackentasche und eile einem älteren Herren zu Hilfe. Ihm wäre „plötzlich schwindelig geworden“ antwortet er auf meine Frage ob alles in Ordnung sei. In meinem Kopf rattert es. Ich habe mal gelernt was zu tun ist in solchen Fällen, so ganz geladen ist das Programm nicht, aber ein Wort schießt mir natürlich sofort in den Kopf – ‚Krankenwagen‘.

Ich rufe also der ersten Fußgängerin die mir ins Sichtfeld läuft entgegen: „Sie dort!“ Meine Hand schnellt in ihre Richtung, der Zeigefinger ihr entgegen ausgestreckt. „Rufen sie einen Krankenwagen.“ (Nein, kein ‚Bitte‘, ein ‚Bitte‘ ist nicht angebracht ich bitte sie nicht, ich fordere sie auf.)
Die erwartete Reaktion meinerseits: Die Dame zückt ihr Handy (jeder hat doch eins heutzutage) und ruft einen Krankenwagen – 112 so by the way – Sache erledigt.
Die erfolgte Reaktion ihrerseits: Sie guckt mich an wie eine Seegurke. (Haben Seegurken Augen? Keine Ahnung. Feststeht aber: So ein dämlicher Name passt in diesem Moment um die Handlung der Dame zu beschrieben.)

Mein Glaube an die Menschheit packt sich meinen Glauben an die Intelligenz und zusammen schreien sie der Dame noch einmal entgegen: „Rufen sie einen Krankenwagen!“ Merke: Dumm bleibt dumm, auch wenn Glaube an Menschheit und Intelligenz zusammen arbeiten.

Ich zucke also mein Handy und wähle 112 sage meinen Namen erzähle, dass ein älterer Herr umgekippt ist und wo wir uns befinden bekomme ein „Okay, wir sind gleich da“ und lege auf – fertig. 20 Sekunden Lebenszeit, die hätte Seegurke sich auch nehmen können.

 

Es ist ziemlich scheiße wenn man neben einem Menschen kniet der sichtlich Hilfe braucht und man sich ihm nicht komplett widmen kann. Und das nur weil keine Sau auf die Idee kommt diese 20 Sekunden Lebenszeit zu investieren. Sei bitte keiner dieser Menschen, die nur dumm da stehen und gaffen, bitte sei einer der wenigen, die sich aktiv beteiligen um zu helfen. Denke mal an deinen Vater, deine Mutter, Oma, Opa, wer auch immer dir am Herzen liegt. Und nun stelle dir folgende Frage: „Würde ich wollen, dass jemand mir in solch einer Situation hilft? Oder würde ich mir Seegurken wünschen?“ – Die offensichtliche Antwort muss ich nicht da legen, oder?

In diesem Fall war es glücklicherweise kein Infarkt, oder ähnliches, sondern wohl nur ein plötzlicher Blutdruckabfall. Aber es hätte auch alles andere sein können. Auch etwas bei dem jede Sekunde gezählt hätte.

 

Danke an den Herren der auf der Straße angehalten hat um zu mir zu eilen, sich zu erkundigen was passiert ist und mir geholfen hat den Herren aufzusetzen. Danke an die Dame die in die Apotheke gelaufen ist und dort nach Hilfe gefragt hat. (Kleine Anmerkung hier – fragt nicht nach, ob ihr dort fragen sollt. Tut es einfach. Der Ersthelfer ist in diesem Moment evtl. erste Ansprechperson, aber nicht deine Mutti die dir sagt was du darfst und was nicht. Gesunder Menschenverstand sagt: Ich hole jede sinnvolle Hilfe, die ich in diesem Moment erreichen kann.) Danke an die Apothekerinnen die dem Herren etwas zu trinken gegeben haben und anbot Blutdruck zu messen. Danke an die Herren im Krankenwagen, die in gerade mal 5 Minuten vor Ort waren. An euch ein allgemeines Danke dafür, dass ihr diesen Job macht.

 

Und jetzt du. Sei nicht Seegurke – sei Menschenverstand und Intelligenz. Helfe wenn du helfen kannst. Danke.

 

 

 

 

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