Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – 2015

Heute ist der 27. Januar, Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus…

Und wenn ich in die Zeitungen schaue, dann lese ich von abgebrannten Asylbewerber Unterkünften, von Bürgerwehren die die deutschen Frauen vor Übergriffen (durch Asylbewerber) schützen wollen, weil diese das deutsche Frauenbild nicht verstehen würden, während auf RTL der Bachelor läuft…

Ich lese Hass und Wut gesprenkelt mit Angst, Angst vor Neuem, Angst vor dem Unbekannten. Doch Neugierde ist das, was unsere Gesellschaft in den letzten Jahrhunderten voran gebracht hat. Wie ist es möglich, dass Menschen auf dem Mond gelandet sind, Sonden in Lichtjahre Entfernung geschossen haben, aber Fliehende den Weg über das Mittelmeer nicht überleben, weil niemand Ihnen eine Hand reichen will? 

Vor über 70 Jahren hatten wir ähnliche Probleme – es herrschte Krieg – Tote lagen auf den Straßen, Kinder haben ihre Eltern verloren, sowie Mütter und Väter ihre Söhne und Töchter. Wer nicht so war, wie die Regierung es vorgegeben hat, der wurde verfolgt und getötet (wenn man Glück hatte schnell, mit etwas Pech in Jahrelanger Folter in einem der zahlreichen KZ’s).

Meine eigene Großmutter (Gott hab sie selig) wurde aus ihrer Heimat vertrieben. Musste alles zurück lassen, was sie geliebt hat. Ihr Land, ihren Hof, ihre Aussteuertruhe. Sie hat immer wieder erzählt wie sehr sie dies alles doch vermisst habe, ihr Leben lang. Doch sie hatte das Glück fröhlich in ihrer neuen Heimat zu sein, aufgenommen zu werden.

Und, nur aus Angst, wollen einige Menschen in unserem Land, das schon so viel durchgemacht hat, anderen diese Chance auf ein neues glückliches – und vor allem sicheres – Leben verwehren. Ich verstehe das nicht.

Natürlich wird es schwer. Natürlich muss man diese Menschen integrieren, natürlich müssen sie unsere Werte und Normen kennen lernen. Sie müssen lernen, wie man in einem verdammt reichen Land zurechtkommt, indem man Freiheiten hat. Ein Land in dem man die Möglichkeit hat aus seinem eigenen Habitus herauszubrechen und, theoretisch, alles erreichen kann, was man möchte. Ein Land in dem einen keine Waffe an die Schläfe gehalten wird. (Außer von einigen bildungsfernen, angsterfüllten, krampf-Deutschen, deren Denken so weit von der Realität entfernt ist, wie die Geflüchteten von ihren Familien.)

Meine geliebte Großmutter ist nun bald schon ein halbes Jahr bei ihrem geliebten Herrn. Und erst jetzt verstehe ich den Schmerz, den sie erlitten hat, in der schweren Zeit der Flucht. Erst jetzt verstehe ich die Angst, erst jetzt verstehe ich das Leid. Doch genauso verstehe ich jetzt die Freude, eine neue Heimat gefunden zu haben. Eine neue Heimat in der sie meinen Großvater kennen lernte, sich verliebte, Kinder und Enkel bekam und am Ende glücklich gestorben ist.

Genau das wünsche ich jedem Menschen, der seine Heimat verlassen muss. Nur dafür müssen sie erst einmal ankommen und ihr Leben neu beginnen können und dürfen. Fern von Pauschalisierung, fern von Hass, fern von Angst, fern von alldem wovor diese Menschen fliehen.
#refugeeswelcome

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2 thoughts on “Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – 2015”

  1. Ja es ist erschreckend, dass es schon wieder so Viele gibt, bei denen ihr Horizont nur bis zur eigenen Nasenspitze reicht. Und mit Pegida, Affen für Deutschland und jetzt auch noch Amerikas Engstirnigkeit First ist sowas leider wieder salonfähig geworden. Schön, dass meine Tochter bessere Werte lebt!

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